Berichte aus der Gemeinschaft

 

Fürs Leben gelernt!

25 Abi-Zeugnisse an der Freien Waldorfschule Wendelstein vergeben

 

Wendelstein, 31.7.2021 – Im Vergleich zur Open-Air-Feier vor einem Jahr durften sich die diesjährigen 25 Abiturientinnen und Abiturienten der Wendelsteiner Waldorfschule Ende Juli mit ihren Eltern unter Einhaltung der aktuellen Hygieneregeln im Festsaal versammeln, um die Reifezeugnisse in Empfang zu nehmen. Es ist der 19. Abi-Jahrgang an der Privatschule.

 

Volker Felgenhauer eröffnete mit dem lange pausierenden Oberstufenensemble meisterhaft die Feier mit einer genialen Kombination aus einem „Andante festivo“ von Jean Sibelius und einem „Palladio“ von Carl Jenkins.

 

Die amtierende Schulleiterin Barbara Schagen begrüßte die Ehrengäste, die Eltern und natürlich die Abiturientinnen und Abiturienten. Sie beglückwünschte die jungen Menschen, trotz Kontakteinschränkungen, Quarantänemaßnahmen, Distanzunterricht und ungewöhnlichen Prüfungsbedingungen die Hochschulreife erlangt zu haben. Mit großem Ernst blickte sie auf die letzten Monate und auf Begegnungen mit Menschen, die in der Corona-Krise anderer Ansicht waren, die anders gehandelt hätten, die anders entschieden hätten. Äußerst fragil wurden soziale Beziehungen unter dem allgegenwärtigen Druck durch die Pandemie. Auf den weiteren Lebensweg gab sie den nun ehemaligen Schülerinnen und Schülern eine buddhistische Weisheit mit: „Mögen wir lernen, verschiedener Ansicht zu sein, ohne einander aus unseren Herzen zu werfen, und mögen wir uns nicht empören über unsere Unterschiede.“

 

Wendelsteins Bürgermeister Werner Langhans stellte fest, dass nichts mehr sei, wie es vorher war, dass wir jedoch aus jeder Krise lernen können. Er wünschte den jungen Menschen, dass sie nun gut gerüstet die Reise zu neuen Zielen antreten können und nicht in Sackbahnhöfen stecken bleiben. Hannedore Nowotny bekräftigte in ihrem Grußwort als stellvertretende Landrätin des Landkreises Roth den Blick in die Zukunft und auf neue Herausforderungen.

 

Abiturkoordinatorin Sylvia Ballwießer beschrieb mit launigen Worten die Besonderheiten des letzten Jahres, das so harmlos und „normal“ begonnen hatte. Ab der ersten Quarantäne nach den Herbstferien blieb eine ständige Unsicherheit, die jeden belastete und jede Planung zunichte machte. Alle, Schüler und Lehrer, mussten sich ständig umstellen. Das Reden ins schwarze Loch war vor allem für die Lehrer eine neue Erfahrung. Gemeinsam mit den ehemaligen Klassenlehrerinnen Gabriele Wendt und Anita Lilienstein überreichte sie schließlich die Reifezeugnisse. Befreiendes Lachen schallte durch den Saal, als die lang gewordenen jungen Männer sich bücken mussten, um durch das Sonnenblumentor hinaus ins Leben zu gehen. Als Erstklässler waren sie durch dieses Tor an ihrem ersten Schultag zu ihren Lehrerinnen gekommen. Da war es noch groß genug.

 

Etwas Wehmut klang durch die Worte des Elternvertreters Christian Stuhlfaut, denn mit dem Abschluss der Schullaufbahn ändert sich auch für die Eltern viel. Einige verlassen damit nach vielen Jahren, teilweise schon seit Kindergartenzeiten, eine Gemeinschaft, in der sie vieles erleben und bewegen durften. Nun gilt es loszulassen, denn wer loslässt, hat beide Hände frei: „Ihr habt an dieser Schule fürs Leben gelernt! Wir Eltern haben euch Wurzeln und Flügel gegeben. Fliegt los!“

 

Sabine Zäpfel


"Oha, eine Leiche"

Hörspiel statt Theaterstück: Die Klasse 8b nimmt eine Kriminalkomödie im improvisierten Tonstudio auf

 

Wendelstein, 11.7.2021 – Theaterproben im Distanzunterricht? Nein, unmöglich. Deshalb verwandelten Achtklassschüler und ihre Lehrer der Wendelsteiner Waldorfschule das geplante Bühnenstück in ein Hörspiel. Am Ende konnten sie es sogar gemeinsam im improvisierten Tonstudio aufnehmen.

 

Normalerweise gehört ein aufwendiges Klassenspiel in der 8. Klasse zum pädagogischen Programm einer jeden Waldorfschule. Die Schülerinnen und Schüler üben dazu eigentlich ein Theaterstück ein, arbeiten mit den Werklehrern an den Kulissen, gestalten und nähen mit Unterstützung in der Handarbeit die Kostüme. Dann entwerfen sie Plakate für das Spiel und führen das Stück letztendlich in mehreren Vorstellungen vor Eltern und der Schulgemeinschaft auf.

Doch in Zeiten von Corona und Distanzunterricht war all dies nicht möglich. Da aber das Künstlerisch-Praktische eines der Kernthemen der Waldorfpädagogik ist, entschloss sich ein kleiner Kreis von Lehrern der Wendelsteiner Waldorfschule, neue Wege zu gehen: Das Theaterstück sollte zum Hörspiel umgearbeitet werden, begleitet von einer Projektmappe, die Einblicke in die Arbeit der Bühnenbildner und in die Kostümbildnerei gibt.

 

„Nicht noch eine Mathe-Epoche online, sondern ein Theaterprojekt – eine Kriminalkomödie“, jubelte die Klasse 8b, als der pfiffige Plan feststand. Fünf Wochen lang haben die Achtklässler im Online-Unterricht die Rollen erarbeitet, an der Sprache gefeilt, Kostümentwürfe und Bühnenbilder gezeichnet sowie Plakate gestaltet. Ein wichtiger Aspekt war dabei, all das, was man sonst auf der Bühne sieht, in Sprache und Geräusche umzusetzen. Wie klingt es etwa, wenn eine Leiche beim Abtransport zu Boden fällt? Wie unterscheiden sich die Schritte der alten Miss Marple von denen einer aufgeregten Reporterin? Wie kann der Akzent des berühmten belgischen Ermittlers Hercule Poirot umgesetzt werden?

 

Als am Ende der Probenarbeit auch noch der Inzidenzwert sank und die Schüler sich unter strengen Hygieneauflagen treffen konnten, um ihr Hörspiel in Präsenz aufzunehmen, war die Erleichterung groß. Der Eurythmiesaal wurde dank eines erfahrenen Musikkollegen mit professionellem Equipment in ein Tonstudio umgewandelt und den Aufnahmen stand nichts mehr im Wege. Am Ende konnte die 8b auch lachend die Frage beantworten: „Wer war nun der Mörder“? Soviel sei verraten: „Es war nicht der Gärtner“ (frei nach Reinhard Mey).

 

Gabriele Wendt


Abenteuerliche Reise ins Land Nirgendwo

Spielfreude pur

Die Klasse 11b der Freien Waldorfschule Wendelstein führt „Peter Pan“ in englischer Sprache auf

 

Wendelstein, 25.10.2020 - Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 11b der Freien Waldorfschule Wendelstein präsentierten eindrucksvoll, wie man Theaterspiel und Fremdsprachenunterricht zu einer mitreißenden Performance verbinden kann: der Klassiker „Peter Pan“ im Originalton. Für das an der Waldorfschule traditionelle Fremdsprachenspiel wählte die Klasse bewusst „Peter Pan“ von Sir James Matthew Barrie aus.

 

„Das kennen viele und auch die jüngeren Schülerinnen und Schüler können es verstehen“, erklärten einige der jungen Damen und Herren kurz vor der dritten und letzten Aufführung. Alle waren sich einig, dass es daher besonders schade sei, dass sie an zwei Abenden nur für Eltern und Großeltern spielen durften und an einem Vormittag für nur eine Klasse. Die Probenzeit war kurz. Die Corona-Zahlen stiegen. Die Unsicherheit, ob es überhaupt Aufführungen geben dürfe, war groß. „Wir hatten trotzdem viel Spaß miteinander. Es war ein tolles Gemeinschaftserlebnis!“, schwärmten einige. „Die Masken auf der Bühne und dass wir nur vor wenigen Zuschauer (mit Maske und großem Abstand) spielen durften – das konnte uns die Freude am Spiel nicht verderben“, fügten zwei der Piraten hinzu. Wer einer der wenigen Zuschauer sein durfte, konnte die Spielfreude und Begeisterung der Jugendlichen vom ersten bis zum letzten Auftritt erleben und genießen.

 

Zum Inhalt: Ein stets fideler Peter Pan erlebt mit „seinen Jungs“ und den Kindern der Familie Darling viele Abenteuer auf der Reise ins Land Nirgendwo. Die unsichtbare Fee Klingklang hilft ihnen immer wieder in brenzligen Situationen. Zauberhafte, bizarre Lichteffekte stehen für ihre Sprache, die nur Peter Pan versteht. Gefährlich wird es, als Captain Hook und seine Piraten auftauchen und die Kinder auf ihr Schiff verschleppen. Das geheimnisvolle Ticktack einer Uhr versetzt den sonst so energischen Captain in Angst und Schrecken. Das Blatt wendet sich.

 

Stephan Vdoviak war wieder verantwortlich für die phantasievolle, gelungene Regieführung. Als Nativ-speaker aus Vermont war er natürlich prädestiniert für diese Aufgabe. Werner Kandzora sorgte mit Broadway-Musikeinlagen zusätzlich gekonnt für eine wohltuend heitere Stimmung. Begeistert berichtete er von den Gesangsproben mit der Klasse, die von sich aus viele Lieder singen wollte und das trotz Maske und Abstand auch mitreißend tun konnte.

 

Zehntklässler kümmerten sich dankenswerterweise um die passende Beleuchtung, um die Elftklässler zu entlasten. Klassenbetreuer Clemens Heinermann freute sich über die höchst gelungenen Aufführungen. Er bedauerte jedoch, dass nicht mehr Zuschauer zugelassen waren, dass es kein Pausenbuffet gab und dass Bedankungspräsente nicht überreicht werden durften. Mögen sich die Zeiten wieder ändern und mögen Kunst und Kultur wieder aufleben können!

 

Sabine Zäpfel


Von wahrem Glück und Freiheit

Die Klasse 9b der Freien Waldorfschule Wendelstein präsentierte das Theaterstück „Die Wächter von Montmartre“

 

Wendelstein, 17.10.2020 – Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b der Freien Waldorfschule Wendelstein holten nun nach, was im letzten Schuljahr nicht möglich war: Sie brachten vor kleinem Publikum ihr Klassenspiel „Die Wächter von Montmartre“ auf die Bühne.

 

„Ich habe einen Auftrag, der mir Geld verschaffen soll – viel Geld, wie ich es mir erträumte.“ Anatol, ein jugendlicher Straßenräuber, verbindet mit dem Reichtum Glück und Freiheit. Dennoch zögert er, denn für das viele Geld muss er zwei Menschen töten. Außerdem gibt ihm Serafine, eine heimliche Wächterin, zu verstehen, dass Reichtum nicht wichtig sei.

 

Die Schüler*innen der Klasse 9b hatten sich schon sich im letzten Schuljahr für das Theaterstück „Die Wächter von Montmartre“ von Paarmann und Ritter entschieden. Es geht darin um Erbschaftsschleicherei – doch vor allem um die Frage, was wahres Glück und wahre Freiheit sind.

 

Die Corona-Pandemie stellte die Klasse vor eine harte Geduldsprobe. Denn im Frühjahr und Sommer waren Aufführungen nicht möglich. Würde es in diesem Schuljahr klappen? Optimistisch probten sie mit Masken und Abstand. Ein Hygienekonzept wurde erstellt, und schließlich zauberte die Klasse nunmehr drei beeindruckende Vorführungen vor sehr begrenztem Publikum auf die Bühne. Souverän und mit großer Selbstverständlichkeit trugen die Spieler*innen Masken, wenn sie durch den Zuschauerraum gingen; unauffällig achteten sie auf Abstände. Für das Publikum war es ein fast „normales“ Klassenspiel.

 

Der Regisseur Stephan Vdoviak und die Klassenbetreuerinnen Nadine Gebhard und Anita Lilienstein unterstützten und ermutigten die jungen Menschen in der kurzen Probenzeit mit großem Engagement. Musiklehrer Volker Felgenhauer komponierte wundervolle Musik für die Klasse. Um sie zu entlasten, übernahmen er, Nadine Gebhard und Werner Kandzora auch die praktische musikalische Begleitung. Immer wieder begeisterten Gruppen- und Solo-Gesangseinlagen die Zuschauer. Sie spendeten zu Recht anhaltenden Applaus.

 

Sabine Zäpfel