Praktika

Florenzfahrt 2006

Aus: Gibitz 30; ein Bericht von Veronika und Saskia

Waldis zu Gast beim Weltmeister

Denk ich an Hitze, denk ich an Florenz! Denk ich an Florenz, denk ich an eine wunderbare, aufmerksame und interessierte Klasse die mir viel Freude bereitet hat!
Es waren harmonische Tage und immer wenn die Anstrengung und Anspannung nachlässt, reflektiert die Seele gerade die schönen Erlebnisse. Kunst kann der Mensch nur verstehen, wenn er dafür Empfindung entwickelt. Er muss sozusagen hingeführt werden zur Erkenntnis. Er muss Kunst anschauen, auf sich wirken lassen und sie fühlen, um dann das besondere Seelenerlebnis auskosten zu können. Heutzutage gehen wir ohnehin zu oberflächlich mit vielen Dingen um. Wir konsumieren, verbrauchen, wollen uns nicht plagen oder gar einlassen auf ungewöhnliches. Aber gerade das Bemühen, das Einlassen, das genaue Beobachten, das Bewundern, hebt uns Menschen aus dem Alltagsgeschehen heraus und schenkt uns den Augenblick des Besonderen. Das Geheimnis der Schönheit tritt uns entgegen und wir erleben die Vollkommenheit eines Werkes – der Künstler offenbart uns sein Geheimnis, er nimmt uns mit in eine andere Welt – welch ein Geschenk, welch ein Erlebnis!
Ich denke Florenz war nicht nur heiß und staubig, es war hauptsächlich eine Bereicherung für unseren »anderen Augenblick«!
Mir bleibt nur noch zu danken, allen Teilnehmern, aber vor allem meinen Schülerinnen und Schülern, die bewiesen haben, dass alle Vorbereitungsepochen wichtig waren um echte »Kunstinteressenten« hervorzubringen. Nehmt diese Erfahrung mit in Euer aufkeimendes »Erwachsenen-Leben« und versucht wenigstens ab und an ein Kunstwerk zu bestaunen, auch um der Schönheit Willen, die wir aufnehmen, wenn wir Lernende und Bewundernde bleiben – ein Leben lang!

Die nachfolgenden Schülerberichte sollen einen Überblick über unsere gemeinsamen Tage spiegeln:

Die Kuppel des Domes zu Florenz

Dienstag den 18.07.2006
Nach der Stadtführung, welche durch die ungewohnte Hitze an unseren Kräften gezehrt hatte, bestiegen wir noch die Kuppel des Doms von Florenz. Diese Kuppel, die die Stadt überragt, war weithin zu sehen und bot schon von unten einen interessanten Anblick. Wir erklommen, die von Filippo Brunelleschi erbaute Kuppel zwischen den beiden Mauerschichten, aus denen das Meisterwerk besteht. Dort bekamen wir einen Einblick in die einzigartige Bauweise, die durch die Erläuterungen von Herrn Kafitz ergänzt wurde. Auf der Kuppel angekommen, wir standen auf der »Laterne«, bot sich ein überwältigender Ausblick über Florenz und Umgebung. Herr Kafitz stand auch hier als »wandelndes kunsthistorisches Lexikon« für alle Interessierten bereit und gab uns viele Informationen zu den Bauwerken, die wir nun aus der Vogelperspektive betrachten konnten. All diese Aspekte zusammen sorgten dafür, dass der Besuch der Kuppel einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat.
Achim Hagen

Die Uffizien

Mittwoch, den 19. 07.2006
Die Uffizien, einst waren sie ein Verwaltungsgebäude (Ufficia-office wie ich erfuhr) bis sie zum Ausstellungsraum für Kunstwerke wurden. Nachdem wir den Sicherheitscheck und Metalldetektor überwunden hatten, quälten wir uns einige Treppen hinauf, bevor wir in die wunderbare Welt der Kunst eingeführt wurden. Zuerst betrachteten wir Tafelbilder von Cimabne, Giotto und Bonisegna, die typisch und prägend für die byzantinische Kunst waren. In der byzantinischen Kunst war alles noch himmlisch, der Mensch ist noch nicht geerdet, die Maria thront auf Goldgrund in himmlischen Sphären. Dann betrachteten wir das Bild „Anna Selbtritt“ des Künstlers Masaccio, er ging schon Richtung Renaissance. Das Jesuskind bekam nun wirklich menschlich-kindliche Züge, die vorher sehr erwachsen schienen. Außerdem begibt sich der Mensch langsam vom Himmel zur Erde. Noch weiter geht Fra Angelico bei seinem Bild Marien-Krönung, bei ihm erhalten die Personen eine perspektivische Rangordnung. Danach schauten wir uns zwei Portraits des Malers Piero della Francesca an, den Herzog von Urbino Frederico da Montefeltro und Battista Sforza. Er ist es, der die ersten Portraits der Renaissance machte. Der Kopf befindet sich vor dem blauen Hintergrund, dem Horizont des Himmels, was bedeutet, dass man sich von dem mittelalterlichen Gedanken löst und der Mensch nun selbst in die Welt hinausschaut und seine Umwelt wahrnimmt.
Als eines der Highlights ist natürlich der Botticelli-Saal zu nennen, mit den zwei Meisterwerken »Geburt der Venus« und dem Bild »Primavera« – Frühling. Botticelli griff nun den neuen Renaissancegedanken auf und beschäftigte sich mit den anatomischen Gesetzen des menschlichen Körpers. Erstmals wurden keine christlichen Motive mehr gewählt, Botticelli griff nun die Mythologie als neues Gedankengut auf und brachte sie ins Bild. Als nächstes betraten wir den Leonardo-da-Vinci-Saal, der ebenso meisterhaft ist wie der des Botticelli. Man konnte an den Bildern deutlich die Entwicklung erkennen, die Leonardo da Vinci durchgemacht hatte. In der Jugend arbeitete er noch nach festen Schemen, als Erwachsener setzt er das um, was ihm gerade beschäftigt – so taucht auf einmal in der Menschenmenge ein Pferdekopf auf, da er sich zeitgleich mit Pferden beschäftigte. Auch noch typisch für Leonardo da Vinci ist, dass sich der Mensch im Einklang mit der Natur befindet.
Zum Schluss besuchten wir noch den Michelangelo-Saal, der nur elf Monate bei Ghirlandaio in der Lehre als Maler war, bevor er zu den Medicies kam. Besonders hat sich das Bild der heiligen Familie bei mir eingeprägt. Das Besondere ist, dass die damaligen zwei Welten, nämlich die mythologische und die christliche, in diesem Bild vereint sind. Die Figur der Maria ist sehr gewunden – figura serpentinata – was für die damalige Zeit als große Errungenschaft galt. Das Bild ist geprägt von klarer Linienführung und starker Ausdrucksweise der Gestalten. Wir hätten noch Tage, sicher sogar Wochen dort verbringen können, aber irgendwann wird es einfach zu viel. Die Uffizien bieten eine solche Vielfalt, einen solchen Reichtum an Kunstschätzen, dass wir nur einen Bruchteil sehen konnten und am Rest staunend vorbeigingen.
Marius Meusch

San Miniato

Mittwoch, den 19.07.2006
Nach dem Mittagessen machten wir uns zunächst auf den Weg zum Casa Buonarroti. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass dieses nur noch eine Viertelstunde geöffnet hatte. Also überquerten wir den Arno in Richtung der Kirche San Miniato. Um nicht wieder vor verschlossener Türe zu stehen (die Kirche öffnete erst eine halbe Stunde später) nahmen wir im weniger touristisch geprägten Teil von Florenz in einer typisch italienischen Bar einen Cappuccino bzw. Espresso zu uns, um dann wieder munter den Aufstieg nach San Miniato in Angriff zu nehmen. Oben angekommen bot sich uns eine wundervolle Aussicht über Florenz. Auch die Kirche war beeindruckend. Die dreischiffige Basilika hat eine gut erhaltene bemalte Holzdecke, was selten zu finden ist. Die Kirche wurde jedoch während der verschiedenen Stilepochen verändert. So kam in der Renaissance eine Veränderung der Front sowie kunstvolle Einlegearbeiten an Boden und Wänden hinzu. Im Barock verzierte man die einfachen Säulen mit Marmor oder mit der Stuccolustro Technik, die den Anschein von Marmor erweckt. Den Friedhof der Kirche konnten wir nicht mehr besichtigen, da er geschlossen war. Danach war Freizeit angesagt, die zum Shopping oder zum Ausruhen genutzt wurde.
Johannes Steib

Siena

Donnerstag, den 20.07.2006
Wir erreichten Siena mit dem Bus um halb elf. Die kleine Stadt liegt mit seinen 60.000 Einwohnern auf einem 500 - 600m hohen Hügel mitten in der typisch hügeligen Landschaft der Toskana.
Zu Fuß ging es auf die Piazza del Campo, welcher als einer der schönsten Plätze Italiens gilt. Er hat die Form und das Aussehen einer Muschel und ist von großen Palazzi umringt, die von reichen Kaufleuten und Künstlern gebaut wurden. Die meisten der sienesischen Bauwerke sind mit Ziegelmauerwerk und Backstein erbaut. Die Muschel entsteht aus den gleichmäßigen Wasserrinnen, in denen alle Abwässer der Stadt zusammenlaufen. Die Piazza del Campo ist vor allem wegen der Pferderennen bekannt, die einmal jährlich dort stattfinden und riesige Menschenmassen anziehen.
Nach einem kurzen Blick in den Innenhof des Rathauses, das sich direkt am Piazza del Campo befindet, stellten wir uns in die ellenlange Menschenschlange vor dem Dom, wo wir es eine Zeit lang in der Gluthitze der prallen Mittagssonne aushalten mussten bis wir in das Innere des kühlen Doms kamen.
Der Siener Dom wurde vom Architekten Giovanni Pissano geplant und ist komplett mit weiß-schwarzem Marmor aus Carrara gebaut. Die Decken sind traumhaft schön verziert, am meisten beeindruckte die große Kuppel mit Kassettengewölbe. Der weiß-schwarz gestreifte Marmor zusammen mit Blattgold verwendet, lässt den Dom fast ägyptisch erscheinen.
Zum Abschluss konnten wir unsere verbleibende Zeit in Siena mit Shopping, Essen oder Zeichnen füllen, bevor es auch schon wieder zum Bus ging. Anschließend fuhren wir nach San Gimignano.
Lisa

San Gimignano

Donnerstag, den 20.07.2006
Nachdem wir uns Siena angesehen hatten, sind wir mit dem Bus weiter nach San Gimignano, einer alten Etruskerstadt, gefahren. Da der Bus angenehm klimatisiert war, traf uns fast der Schlag, als wir ausgestiegen sind – es war einfach nur heiß!
Die Stadt selber ist sehr schön, mit einem sehr schlichten aber wunderschönen Dom. Was allerdings etwas stört sind die zahlreichen »Souvenierläden«; es erinnert ein wenig an Rothenburg ob der Tauber, »nur in italienisch«. San Gimignano ist relativ klein, mit ca. 7000 Einwohnern, doch sehr sehenswert, da man einen wunderbaren Blick über die toskanische Landschaft genießen kann. Da in der Klasse das Gerücht herumging, in San Gimignano gäbe es das beste Eis der Welt, war es uns allen ein innerliches Bedürfnis, dies dann auch zu testen. Und tatsächlich, das Eis war wirklich das Allerbeste das ich je gegessen habe. Das Eis alleine wäre schon eine Reise nach San Gimignano wert!
Um unsere Eindrücke der Stadt festzuhalten, hatten wir Zeit um zu Zeichnen. Herr Kafitz hatte uns bereits vorgewarnt, dass man mit dem Zeichenblock viele Blicke auf sich ziehen würde – und wahrhaftig – es blieben viele Menschen stehen und sahen uns beim Zeichnen zu. Ein Amerikaner setzte sich neben uns und meinte ganz erstaunt: „oh artists“. (Die Tonlage und die Stimme müssen Sie sich jetzt dazu selber vorstellen). Abschließend sei festzuhalten, dass San Gimignano eine sehr schöne kleine Stadt ist und auf alle Fälle eine Reise wert ist.
Lisa und Hedwig

Das Museo Nationale del Bargello

Freitag, den 21.07.2006
Freitag, 11:00 Uhr in Florenz: Nach dem Besuch der Accademia marschierte unsere müde Gruppe tapfer in das Museum Bargello. Neugierig, was sich hinter den starken, robusten Mauern verbirgt, wurden wir, dort angelangt, schlagartig „fit wie Turnschuhe!“ Von Fürsten erbaut und bewohnt in wechselhaftem Besitz, wurde aus dem einstigen Palazzo sogar zeitweilig ein Gefängnis, mit Hinrichtungen am Galgen im großzügig gestalteten Innenhof. Munter und beschwingt betreten wir den Skulpturensaal im Untergeschoss. Dort begegnen wir »Bacchus dem Weingott«. Dieser, so wurde uns von unserem Capo, Herrn Kafitz, erklärt, spiegelt das Gute und Böse – aber auch das Weibliche und Männliche. Allgemein befinden sich in dem Saal viele Skulpturen, Reliefe, Medaillons von namhaften Künstlern.
Im Obergeschoss sind außerdem viele »normale« Museumsgegenstände, wie Messer, Teller, Truhen usw. zu sehen. Unsere »Helden« der Kunst waren jedoch Donatello, Michelangelo, Arte Florentina und viele mehr. Bewacht wurden die Meisterwerke von zwei wilden Furien, die auf »italienisch« ihrem südländischen Temperament freien Lauf ließen (schreien, fluchen, schimpfen und ungezügelt gestikulieren). Wenn man nicht schnell genug ihren italienischen(!) Anweisungen Folge leistete, wurden sie zu wahren Furien! Somit wird uns dieses Museum nicht nur durch die schöne Kunst in Erinnerung bleiben…
Arabella Wasinger

Die Accademia

Freitag, den 21.07.2006
Am Freitag besuchten wir alle die Accademia mit dem berühmten David und den Sklaven Michelangelos.
Die Schlange zum Eingang der Accademia war, trotz der frühen Uhrzeit (9.00 h), lang. Aber unser lieber Herr Kafitz hat das natürlich gewusst und für unsere Gruppe reserviert, was dazu führte, dass wir uns an der kleinen Schlange mit Reservationen anstellen durften. Doch Herrn Kafitz ging das wohl immer noch zu langsam voran. Kurz entschlossen kappte er das Absperrband und schickte uns hinein. Den italienischen Museumsangestellten gefiel das aber wohl nicht so gut, worauf sie uns alle wieder »rausschmeißen« wollten. Das schöne Italienisch der Angestellten wurde von uns jedoch nicht beachtet und es ging ungehindert in das Museum.
Die zahlreichen Gemälde interessierten uns weniger. Die Plastiken des großen Michelangelos waren da doch interessanter. Zuerst teilte uns Herr Kafitz, inmitten des Museums, die Lebensgeschichte Michelangelos mit. Dies tat er wie immer in seiner ihm unnachahmlichen Art. Nach dieser Einweisung nahmen wir dann die Sklaven Michelangelos genauer unter die Lupe. Seine Sklaven sind im sog. »non finito« Stil angefertigt. Das heisst, dass der Stein noch zu erkennen ist! Michelangelo hat die »Figur im Stein gesehen«, in der Künstlersprache heisst dies auch die Figur »in der Bosse«.
Nach langer und genauer Betrachtung der verschiedenen Sklaven fiel unser Blick auf den mächtigen David. Die Plastik des David ist mitten unter einer Kuppel, auf einem großen Marmorsockel aufgebaut. Von oben scheint die Sonne auf ihn, rechts und links führt ein Gang mit weiteren Kunstwerken entlang. So sieht man den David von allen Seiten des Museums. Hinter ihm war eine Sitzgelegenheit mit Lüftung, welche dann unsere ganze Gruppe zum ausruhen nutzte.
Michelangelo arbeitete drei Jahre an dieser Figur. Als er sie veröffentlichte, wurde diese als regelrecht schockierend angesehen. David wurde nackt dargestellt. Zu dieser Zeit war es üblich die großen Könige oder die großen Menschen, die dargestellt wurden, nach einem Kampf oder nach dem Krieg darzustellen, nicht wie es Michelangelo tat.
Er wollte David rein darstellen, deswegen stellte er ihn nackt dar. Die Figur Davids ist in zwei Teile eingeteilt. Links sind die Bewegung und zugleich die Zurückhaltung dargestellt. In der rechten Hälfte seines Körpers, die Ruhe, der Wille und das Muskulöse. Davids Blick ist »zielgerichtet«. Michelangelo war ein Künstler, der die Physiognomie jedes Menschen auf perfekte Weise darstellen konnte. Nicht nur deswegen war er ein Genie. Seine Werke, und dazu noch die Originale, zu sehen war enorm und wird uns allen wohl immer in Erinnerung bleiben. Dies kann man natürlich von der gesamten Kunstfahrt behaupten. Der Besuch in der Accademia ist ein Spiegelbild für die ganze Fahrt. Schön, anstrengend, erheiternd und vielleicht einfach einmalig!
Sebastian Jung

Die Medici Kapelle

oder: Wie es Hr. Kafitz schaffte selbst die müdesten 12. Klässler wach zu bekommen
Heute war wohl der Tag, an dem unsere Müdigkeit ihren Höchststand erreicht hatte, die schwüle Hitze immer unerträglicher wurde und unsere Motivation auf den Tiefpunkt gesunken war. Kein guter Ausgangszustand um eine solch tolle Kapelle zu besichtigen. Anfangs schien die »tolle« Kapelle auch noch gar nicht so toll zu sein. Der erste Eindruck war eher ernüchternd. Wir wurden von einer riesigen Vorhalle empfangen, die eher einem überdimensionalem Weinkeller glich (ein italienischer Weinkeller wäre ja auch schön, aber nicht nach dem Abend gestern...), als einer Empfangshalle der reichen Medici. Doch als wir die Empfangshalle hinter uns gelassen hatten und im ersten Stock angekommen waren veränderte sich schlagartig unser Gemütszustand. Unsre Müdigkeit verwandelte sich in Erstaunen – wir waren in der Fürstenkapelle der Medici, der »Capella Dei Medici« angekommen. Sie ist ein gewaltiger, unfassbar hoher Raum, der die Lebensweise und den Reichtum der Medici leicht erahnen lässt. Ein Raum, der mit 300 verschiedenen Marmorsorten ausgekleidet ist und somit eine, zwar eher in dunklen Farben gehaltene, aber enorme Farbigkeit mit sich bringt. Man wusste gar nicht wo man als erstes hinschauen sollte. Sollte man von unten anfangen und den wundervoll gemusterten Marmorboden, der sogar mit pinken, grünen und gelben Marmor ausgelegt ist betrachten? Oder sollte man sich für die lebensgroßen Fürstenstatuen der Medici begeistern, die auf halber Höhe des riesigen Raumes stehen? Oder vielleicht doch mit der kunstvoll, von Benvenuti bemalten Kuppel, die die Genesis zeigt, anfangen?
Hr. Kafitz gab uns die Zeit, den enormen Raum auf uns wirken zu lassen, aber wir konnten gar nicht alles aufnehmen – es war einfach zu viel. Man fühlte sich fast ein bisschen erschlagen.
Mit diesem Gefühl gingen wir weiter in einen nun viel kleineren, doch mindestens genauso schönen Raum. Wir waren nun in dem Grabmal der letzten beiden Medici angekommen. Hier also fanden Giuliano dei Medici und Lorenzo il Magnifico, ihre letzte Ruhe. Michelangelo, der sozusagen bei ihnen groß geworden war, gewährte ihnen wahrlich noch die letzte Ehre und gestaltete einen wunderschönen Raum, der mit weißen Marmor, und zum Kontrast mit grünem Sandstein ausgestattet ist. Der weiße, reine Marmor zaubert eine ruhige, freundliche, fast schon übernatürliche Stimmung in den kleinen Raum. An den beiden Seiten fanden wir die zwei Grabmäler wieder. Da Michelangelo die beiden letzten Mitglieder der Medici gut kannte, war es ihm möglich, die Grabmäler individuell und typisch für die jeweilige Person zu gestalten. So heißt es, dass Lorenzo dei Medici das Leben liebte, und dass auf Giuliano dei Medici die Worte »beschauliche Welt« passten. Trotz der individuellen Gestaltung gehörten die Grabmäler zusammen. Auf jedem waren zwei Skulpturen zu sehen – ein Mann und eine Frau. Eine Figur der beiden verkörpert jeweils den Morgen, die andere den Abend. Sie stehen sinnbildlich für Leben und Tod. Der Morgen wird deutlich durch einen offenen Blick voller Tatkraft, wo hingegen der Abend durch ein Zurückblicken auf den Tag klargemacht wird. Wer schon mal eine Skulptur von Michelangelo gesehen hat, der weiß, dass diese in ihrer Vollkommenheit und Stimmigkeit einzigartig ist.
Fasziniert und in einer bewundernden Stimmung gingen wir nun wieder nach draußen. Doch als uns hier wieder die Schwüle und Stadtluft entgegenschlug, war unsre Müdigkeit schlagartig wieder da. Doch rückblickend war es erstaunlich, wie es Herr Kafitz wieder mal geschafft hatte uns für einen kurzen Moment aus den müdesten Träumen zu reißen, und so seine Lebensbestimmung, die Kunst der Menschheit näher zu bringen auf’s Neue erfüllen konnte.
Veronika und Saskia

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