Praktika
Naturwissenschaftliches aus dem Schwarzachtal

Das Ökologiepraktikum der 11. Klasse im Juli 2006

von Wolfgang Debus (Standortberichte von Schülerinnen uns Schülern der Klasse 11)

Das einwöchige Ökologiepraktikum der Klasse 11 ist noch eine recht neue Einrichtung. Entstanden waren die dazu gehörigen Ideen und die Initiative mit meiner Fachkollegin Ulrike Heller auf einer Feldmessfahrt 2003. Der Vorstand unterstützte die Initiative einem Budget für die Beschaffung der dafür notwendigen Ausrüstung.

Im Sommer 2005 fand dieses Praktikum dann zum ersten Mal im Böhmerwald in Tschechien statt. Unsere Intentionen und Zielsetzungen ließen sich aber bei einer „Klassenfahrt“ am Ende des Schuljahres nur schwer vermitteln und umsetzen, so dass wir uns dafür entschieden künftig das Praktikum an der Schule zu belassen.
Warum bei solchen Projekten auch immer verreisen? Wie schön und interessant unsere heimatliche Region ist hat uns allen diese Woche bei gleichzeitig wunderbarem Wetter gezeigt.
Unser Hauptinteresse lag auf dem Flüsschen Schwarzach, die wir alle von der Schule aus bequem mit den Fahrrädern erreichen konnten. Als Materialwagen diente uns ein geräumiger Fahrradanhänger.

Im Folgenden sind die Berichte, die von den Arbeitsgruppen der Schülerinnen und Schülern der Klasse 11 zu den einzelnen Untersuchungsgebieten der Schwarzach erstellt wurden abgedruckt. Eine Gesamtpräsentation mit einzelnen Exponaten bzw. Versuchsaufbauten ist im Schaukasten in Haus I zu bestaunen.

Gesamtbericht Standort: 1 westlich der Erichsmühle, Dienstag, 04.07.06

Wasseruntersuchungen:
Die Wasseruntersuchung der Schwarzach ergab folgendes: Die Wassertemperatur beträgt zwischen 17°C und 15°C. Der relativ neutrale pH-Wert (7,3) weist auf eine gute Wasserqualität hin. Die chemische Zusammensetzung zeigt in mancher Hinsicht eine deutliche Belastung auf. Zwar ist der Ammoniumgehalt (0,4 mg/l) gering, der Nitrit- (0,2 mg/l), Nitrat- (19mg/l) und Phosphatgehalt (0,4 mg/l) jedoch mäßig bis kritisch belastet. Die Untersuchungen der Carbonathärte (Kalkhärte) ergaben einen hohen Wert von 9°d und bei der Gesamthärte (Salzhärte) kam ein Wert ebenfalls erhöhter Wert von 14°d heraus.

Der zusätzlich untersuchte Zulauf zur Schwarzach unterschied sich in manchen Kriterien von dem der Schwarzach. Der Phosphatgehalt (0,1 mg/l) zeigt einen wenig belastenden Wert und der Nitratgehalt (13mg/l) weist auf eine übermäßige Belastung hin, der aber niedriger ist als der der Schwarzach-Hauptader. Dies erklärt sich durch die in diesem Bereich der Schwarzach summierten Nitratmenge durch die vermutlich starke landwirtschaftliche Düngung. Im Gegensatz zur Schwarzach liegt die Carbonathärte bei 0 ° d und die Gesamthärte bei 14 ° d. Die im Wasser vorkommenden Lebewesen weisen aber auf eine insgesamt noch gute Wasserqualität hin (Güteklasse II).

Bodenuntersuchungen:
Der Wassergehalt der beiden Böden ist unterschiedlich, auf der Wiese beträgt er 7%, im Wald hingegen 53%. Bei der Wasserdurchlässigkeit gibt es einen gravierenden Unterschied, die Walderde ist wasserundurchlässiger, die Wiesenerde dagegen wasserdurchlässig. Der Bodentyp ist nur im Wald zuzuordnen. Hier findet sich der so genannte Gleyboden.

Pflanzenuntersuchung und Tieruntersuchung:
Die Lichtzahl der Waldpflanzen ist etwas geringer als die in der Flussnähe. Der Stickstoffgehalt ist in beiden Regionen gleich. Die Uferpflanzen haben, wie einige Waldpflanzen überwiegend Überwinterungsknospen, welche sie Nahe der der Erdoberfläche überwintern lassen. Die Waldpflanzen sind großteils mehr als 5 m hohe Bäume. Dagegen sind nur ein geringer Teil der Waldpflanzen, Sträucher oder Kleinbäume.
An der Schwarzach gibt es kleine Kohlweißlinge, sogar die geschützte Blauflügel-Prachtlibelle, als auch der Käfer Propylea-14-punktata, der dem Kartoffelkäfer ähnlich sieht.
Am Waldrand gibt es Regenwürmer, Kellerasseln und Weberknechte, als auch die grüne Pfirsichblattlaus.

Gesamtbericht Standort 2: Wendelstein-Sorg, Mittwoch, 05.07.06

Wasser:
Das Gewässer der Schwarzach zwischen Wendelstein und Sorg ist sowohl den visuellen als auch den chemischen Kriterien nach der Güteklasse 2-3 zuzuordnen. Das heißt, die Wasserqualität ist gut bzw. naturnah bis mäßig bzw. wenig naturnah. Unerfreulich sind nur das zu einheitliche Strömungsbild, die Verfärbung der Steinunterseiten ins Graue bis Schwarze, die starke Trübung und leichte Grünfärbung, sowie der hohe Nitratgehalt des Wassers. Letzterer weißt auf eine Belastung durch Düngung hin. Auch die geringe Anzahl von Lebewesen im Wasser und die relative Artenarmut bestätigen die Zuordnung zur Güteklasse 2-3. Der pH-Wert allerdings liegt zwischen 6,5 und 8,0 (neutral) und ist somit ideal.

Boden:
Der Boden ist sehr sandig und hat keinen großen sichtbaren Ah-Horizont. Daraus ergeben sich eine große Porenweite, ein 30-40%-iger Luftgehalt, eine intensive Durchlüftung, eine gute Wasserführung, ein geringes Wasserhaltungsvermögen, ein niedriger Nährstoffgehalt, wenig Absorptionsvermögen, eine gute Erwärmung und Durchwurzelbarkeit sowie eine leichte Bearbeitbarkeit. Der pH-Wert von 7 entspricht dem des Wassers.


Pflanzen:
Die dort wachsenden Pflanzen sind Halbschatten- bis Halblichtpflanzen und Mäßig- bis Schwachsäurezeiger. Der mäßige bis hohe Stickstoffgehalt gibt wie der hohe Nitratgehalt im Wasser einen Hinweis auf Düngung. Er ist deshalb nicht gut, weil er nur wenige Arten begünstigt und so einer Artenvielfalt im Wege steht. Die Pflanzen sind Frische- bis Feuchtniszeiger, was daher kommt, dass sie in Flussnähe wachsen.

Tiere:
An diesem Standort finden sich in größeren Mengen Zitronenfalter sowie deren Raupen und die kleine Goldschrecke. Außerdem leben hier die Rotbeinige Baumwanze und ein Kleinschmetterling mit dem lateinischen Namen Chrysoteuchia culmella.







Gesamtbericht Standort 3: Zwischen Wendelstein und Röthenbach b. S. W.

Am 05.07.06 wurde der Standort 3 zwischen Wendelstein und Röthenbach bezüglich der Wasserqualität, des Bodens, der Pflanzen und der Tiere untersucht. Zunächst sollen die einzelnen Gebiete näher beschrieben werden, anschließend sollen Zusammenhänge hergestellt werden.

Wasseruntersuchung des Zulaufes:
Die Temperatur wurde bei 0cm und 10cm gemessen. Die Ergebnisse waren folgende:
- 15°C bei 0cm
- 12°C bei 10cm
Der Zulauf ist nur 50cm bis 1m breit und nur 15cm tief und der Flusslauf ist nur mäßig geschwungen.



Es wurde folgende Werte des Wassers festgestellt:
- pH-Wert: 7,0
- Nitrat: 1mg/l
- Phosphat: 0,1 mg/l
- Nitrit: 0,02 mg/l
- Ammonium: 0,01 mg/l

Die Wassergüte ist also insgesamt gut!


Wasseruntersuchung des Hauptflusses:
Im Vergleich dazu wurde der Hauptfluss der Schwarzach zwischen Wendelstein und Sorg untersucht. Der Fluss ist 5m breit und die Strömung ist mäßig bis schwach. Bei der Untersuchung der Werte fiel der hohe Nitrat-Wert auf (10 mg/l)! Das deutet auf eine Überdüngung der angrenzenden Wiesen hin. Die anderen Werte lagen im selben Bereich wie die des Zulaufes.

Bodenuntersuchung am Zulauf:
Der Wassergehalt der Bodenprobe betrug 11,2%.
Die Wasserdurchlässigkeit der Probe war bei 50g Bodenmaterial 15sec, d.h. eine mittlere Durchlässigkeit.
Die Wasserkapazität lag bei 0,35%.
Der Bodentyp ist Gley, er besteht aber aus 10cm Sand an der Oberfläche, danach kommt eine Schicht aus Wasser und Lehm.
Der pH-Wert der Probe war 8, also leicht basisch.

Pflanzenbestimmung am Zulauf:
Die Pflanzen in dem Gebiet sind überwiegend Halbschattenpflanzen. Demzufolge kommen die Pflanzen in mäßig warmen bis warmen Gebieten vor. Die Pflanzen bevorzugen frischen bis feuchten Boden mit leichtem Säuregehalt.

Tierbestimmung am Zulauf:
Am Zulauf gibt es eine größere Menge von Zitronenfaltern und Zitronenfalterraupen. Außerdem wurden auch einige Goldschrecken gefunden. Zusätzlich wurde eine Wespenart (Anophos Viaticus), sowie Schnäpferfliegen gesehen.


Gesamtbericht Standort 4: Schwarzachklamm bei Schwarzenbruck Donnerstag, 06.07.06

Am 6. Juli waren wir am Alten Kanal und an der Schwarzach bei Schwarzenbruck. Dort entnahmen wir einige Gewässerproben und Bodenproben, so wie wir die Flora und Fauna bestimmten.

Wasseruntersuchung:
Die Wasserqualität der beiden unterschiedlichen Gewässer differenzierten sich erheblich in der Zusammensetzung. Das basiert auf der unterschiedlichen Vegetation.
Die Wasserqualität des Kanals ist besser als die der Schwarzach.
Das liegt daran, dass die Schwarzach von Feldern umgeben ist und somit verunreinigt wird.
Der Kanal hingegen ist naturbelassen, da dieser von Wäldern gesäumt ist.

Bodenuntersuchung:
Bei dem Boden am Flussufer handelt es sich um einen hydromorphen Boden. Der Waldboden hingegen besteht aus einer sandreichen Erde.
Um den Wassergehalt des Bodens zu bestimmen, trockneten wir diesen. Der Wasserverlust des hydromorphen Bodens beträgt 13% (Trocknungsdauer von 12h bei 100°C war jedoch zu kurz). Der Waldboden hingegen wies einen Wasserverlust von 16,64% auf.
Die Wasserdurchlässigkeit beim Waldboden beträgt 1,32 sec. Dem zu Folge ist der Boden sehr wasserdurchlässig.
Da es sich bei dem Uferboden um den Bodentyp Gley handelt, war die Wasserdurchlässigkeit nahezu Null, da dies ein sehr feuchter Stauwasserboden ist, der kaum Wasser durchlässt und in der Tiefe einen nährstoffarmen Stauwasserhorizont enthält.

Auf Grunde des großen Lehmanteils im Uferboden beträgt die Wasserkapazität 19,82%. Der pH-Wert des Uferbodens beträgt 7,0 und liegt damit im neutralen Bereich. Im Gegensatz dazu ist der Waldboden sauer, da der pH-Wert 5,5 beträgt.

Pflanzenuntersuchung:
Wir bestimmten fünf verschiedene Pflanzenarten, die wir am Alten Kanal fanden.
Aus den Ergebnissen konnten wir schließen, dass alle fünf Pflanzen unter extrem schattigen Umständen und nahen Stickstoffgehalt des Bodens gedeihen. Da der Zeigerwert für die Feuchtezahl sehr hoch ist, kann darauf geschlossen werden, dass der Wassergehalt des Bodens allgemein sehr hoch liegt.

Tieruntersuchung:
Anhand der erhaltenen Werte kann auch entsprechende der Pflanzenvorkommen auf die Fauna der Umgebung geschlossen werden. Durch abwechslungsreiche Blühpflanzen sind viele Insekten vorhanden. Aufgrund der Insekten sind viele Vogelarten zu finden, wie Zum Beispiel das bedrohte Rotkehlchen, dass ihre Nahrungsgrundlage in den Insekten findet.

Abschluss: Gesamtbetrachtung des Untersuchungsgebietes:
Insgesamt wurde deutlich, dass wir es vor unserer Haustüre zwar nicht mit einer vollkommen reinen und absolut naturbelassenen Schwarzach zu tun haben. Hierzu ist vor allem der Nitratgehalt des Wassers viel zu hoch, der sich vermutlich aus den Abläufen der reichlich gedüngten Wiesen und Felder erklärt.
Jedoch zeigen auch die Gewässergüten, die sich aus den vorkommenden Arten am und im Wasser ermitteln ließen, dass sich die Schwarzach in einem als „gut“ einzustufenden Zustand befindet. Auch die Pflanzen- und Tiergesellschaften in der Umgebung der untersuchten Flussregion bestätigen dieses Bild.
So enthält die Schwarzach zwar kein Trinkwasser, zum Baden ist der Fluss aber durchaus geeignet – aber bitte naturbelassen lassen!

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