Handwerkliche / künstlerische Fächer

Von der 4. Klasse an beginnt der Werkunterricht in Schnitzen und anderen Holzarbeiten. Zu diesem Unterricht kommt in der Oberstufe noch das Arbeiten mit Ton, Stein und Metall hinzu; das Malen und Zeichnen wird fortgesetzt.

Der Handarbeitsunterricht führt alle Jungen und Mädchen in der 1. Klasse über Stricken,  Häkeln, Sticken und Nähen bis zum Flechten, Spinnen, Weben und Buchbinden in der Oberstufe.




Gesichtspunkte zum Malen und Plastizieren in der Klasse 12

Malen

Der junge Mensch kann sich im Rahmen seiner Schulbildung Kenntnisse von Gesetzmäßigkeiten in der Natur erwerben. Allerdings ist ein volles Erfassen der Wirklichkeit kaum möglich, wenn die Kunst nicht einbezogen wird. In den Waldorfschulen kann durch die Art der Stoffbehandlung, über die goetheanistische Betrachtungsweise, solche Erkenntnis geübt werden. Diese Form der Beschäftigung mit Naturvorgängen und Phänomenen ruft ein unmittelbares Bedürfnis nach künstlerischer Betätigung im Sinne des Goethewortes hervor: "WEM DIE NATUR IHR OFFENES GEHEIMNIS ZU ENTHÜLLEN ANFÄNGT, DER SEHNT SICH NACH IHRER WÜRDIGEN AUSLEGUNG - DER KUNST."

Die Natur ist voller Geheimnisse, die sich dem künstlerischen Sinn erschließen können. Weil sie jedoch in ihren Einzelerscheinungen ihr Wesen verhüllt genügt es nicht sie bloß nachzuahmen und es ist ihr ebensowenig nur durch abstraktes oder spekulatives Denken beizukommen. Es gilt den künstlerischen Sinn der Natur gegenüber zu pflegen, zumal in den Oberstufenklassen der naturkundliche Unterricht zu umfangreichen Wissen führen soll.
In der 10. Klasse bildet die Behandlung der festen Erdgestalt, als Grundlage der übrigen Naturreiche, den Schwerpunkt im Lernprozess, In der 11. Klasse ist es die Botanik, die 12. Klasse erarbeitet eine umfassende Darstellung des Tierreiches und gipfelt in der Zusammenschau aller Naturreiche, die zum Bilde des Menschen führt.
Die Beschäftigung mit dem Pflanzerleben in der 11. Klasse lenkt den Blick hinaus in die Umwelt, in die Landschaft und dem Eingewobensein in das Kosmisch-Rhythmische des Tages und der Jahreszeiten, Die malerische Ausgangssituation ist damit vom äußeren Sinneseindruck her gegeben. Beginnt man in der Unterstufe mit dem Malen einfacher Farbklänge aus dem seelischen Erleben des Kindes, so geht man in der Oberstufe vornehmlich von NATUREINDRÜCKEN aus, die im Urphänomen zu erfassen und ins Malerische zu übersetzen sind. Das reine Farberleben, das bis zur 8. Klasse gepflegt wird, führt in der Oberstufe über das Naturreich wieder hin zur rein malerischer Gestaltung.


Diese beiden Ansätze haben eine Parallele zu den Kunstrichtungen des Impressionismus und Expressionismus, die sich in ihrer Gegensätzlichkeit fordern und ergänzen. Sie können auch als Quelle der Kunst bezeichnet werden, die dem Schüler durch das Kennenlernen einen Weg zum selbstständigen Tun öffnen. Um die Schüler eindringlicher mit den Farbqualitäten vertraut zu machen, ist es hilfreich ihnen die Goetheanistische Farbenlehre zu erklären, damit sie die Phänomene Sonnenaufgangs oder Sonnenuntergangs besser nachvollziehen können. Im wechselseitigen Anschauen der Bilder ergibt sich eine Art Atemrhythmus: Einatmung-Ausatmung. Der Tageslauf wird durch die Farbqualität als großer Atemzug der Natur begriffen. Wie das Licht den Schatten hervorbringt, so der Tag die Nacht.

Es entspricht einem gesunden Streben nach Totalität, wenn die Schüler als Ergänzung auch Mondstimmungen malen. Mit dieser Thematik begeben sie sich von der warmen auf die kühlere Seite des Farbenkreises und die blau-violette Stufe zwingt sie eine kältere Jahreszeit für das Bildmotiv zu wählen. Letztendlich erleben die Schüler anhand ihrer eigenen Bilder die Veränderungen der Jahreszeiten. Dieses Erlebnis findet dann eine Fortsetzung mit der Themenstellung der Blumenmalerei. Schon in der 5. und 6. Klasse werden im Zusammenhang mit der Pflanzenkunde Blumen gemalt. In der 11. Klasse führen nun reine farb- und malerische Aspekte zu einer neuen Betrachtungsweise. 

Es drängt sich förmlich auf Blumen und Bäume im Jahreslauf zu malen. Und wieder zeigt sich, wenn die lebendige Farbenlehre angewandt wird, dass das Erleben aufleuchten kann, wie unterschiedlich sich die einzelnen Farben zum Grün verhalten; Die Skala reicht von höchster gegenseitiger Steigerung bis hin zur stärksten Abschwächung. Das Zinnober als Mohnrot fängt auf dem Grün an zu brennen, der hellblaue Rittersporn scheint im Grün zu versinken, und die zartrosa Heckenrose bleibt im Gleichgewicht zum Grün. Die schönsten Blumenbilder entstehen, wenn über die Farbenlehre die malerische Differenzierung ausgeübt wird.. Natürlich lernen die Schüler mit dieser Auseinandersetzung auch die Maler zu verstehen, die schon zu allen Zeiten Natur- und Blumenbilder geschaffen haben.
FAZIT: Künstlerische Arbeit kann zu einem echten Bedürfnis werden und aus Anregungen können eigene Kunstimpulse erwachen.

Plastizieren

Der menschliche Kopf, insbesondere zwei Entwicklungsstufen des menschlichen Kopfes; die wunderbaren Wölbungen eines Kinderköpfchens, der am deutlichsten die am Leibe tätigen Wachstumskräfte vermittelt und der Kopf eines Erwachsenen, der die jeweilige Seelenstimmung anhand der Physiognomie zum Ausdruck bringt, ist Thematik der Epoche.
Beim Kinderkopf gehen wir von der Vollkugel aus, die zur Hohlkugel verwandelt wird, um so die Umstülpung zu erleben - Innenraum- Außenwelt. Durch diese Umstülpung entsteht ein Prozess, der beim Gestalten sehr große Feinfühligkeit gegenüber dem Innenraum, dem Verborgenen der Kugel, erfordert. Von Außen tastend, ganz vorsichtig, die Gesichtszüge des Kindes gestaltend, wird plastiziert und es kostet den Plastiker große Anstrengung bei den zarten, kindlichen Ausdrücken zu bleiben, sowie die feinen, angelegten Rundungen nicht zu verfestigen.

Beim Kopf des Erwachsenen wird nicht aus der Hohlform heraus gearbeitet, sondern massiv und das bedeutet, der Aufbau entwickelt sich in zwei Phasen. Die erste basiert auf einem architektonischen Prinzip: BASIS, SÄULE, KUGEL. In der weiteren Ausgestaltung entwickelt sich dann die Basis zum Brustansatz, die Säule zum Hals, die Kugel zur Schädelform, die durch die jeweilige Ausgestaltung zur individuellen Physiognomie heranreift. Hier ist es interessant zu beobachten, wie schnell sich die Schüler entscheiden, entweder einen Frauen - oder Männerkopf zu plastizieren. Gerade mit dieser Arbeit beginnt auch das ständige Ringen mit der Vorstellung und Umsetzung der Charakteristik des Gesichtes. Die Schüler erfahren jetzt, wie die Augen, die Nase, die Ohren zum individuellen Ausdruck beitragen. Die Beobachtung wird geschult, das Gegenüber, der Nachbar wird eingehend betrachtet und in die Arbeit einbezogen. Am Ende, wenn die Ausgestaltung abgeschlossen ist und noch die Haare angeordnet werden ( manche Köpfe bleiben auch haarlos!) bestaunen die Schüler IHR Werk und bei der Schlussbetrachtung erkennen sie, dass sie durch diese Arbeit etwas von sich selbst geschaffen haben und sich zum Teil wiedererkennen.

Abschließend bliebe noch zu sagen, dass nicht jeder ein MICHELANGELO werden kann, aber es bestimmt jedem einleuchtet, dass durch die Tätigkeit der Hände Denkkräfte entstehen und sich dem jungen Menschen neue Wege öffnen.

Manfred Kafitz Kunsterzieher










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