Eurythmie

Das Leben im 20.Jahrhundert ist bestimmt durch den Umgang mit der Maschine und der Elektronik und den damit verbundenen Verlust an sinnerfüllter Bewegung. Wir bewegen uns nicht selbst von einem Ort zum anderen, sondern werden bewegt. Unzählige Tätigkeiten des täglichen Lebens geschehen ohne unser Zupacken. Auch das "Handwerk" bedient sich heute zum großen Teil der Maschine. So notwendig diese Entwicklung ist, ist dadurch der Mensch doch als Ganzheit nicht mehr engagiert. Wir bewundern heute noch die Leistungen vergangener Jahrhunderte(z.B. in der Architektur oder Tischlerkunst), weil wir spüren, dass hier der Mensch sich noch wirklich bis ins Kleinste mit dem verband, was er gerade tat. Heute hat sich der Schwerpunkt auf das Denken verlagert, so dass wir das Phänomen des Vielwissens und Vielredens haben, aber geringere Bereitschaft oder Fähigkeit zum Handeln.

Fähigkeiten, die nicht genützt werden, verkümmern. So nehmen wir eine zunehmende Ungeschicklichkeit der Hände und Füße schon bei Kleinkindern war. Oder es entlädt sich der dem Kind ja gemäße Bewegungsdrang in unkontrollierter Weise.

Es ist nun nicht unbedeutend, wie ein Mensch mit seiner Körperlichkeit in der Welt steht, hängen doch sein ganzes Lebensgefühl und Slebstbewußtsein damit zusammen, ist der Leib nicht ein gesundes Instrument der Seele, so bin ich in meiner Persönlichkeitsentfaltung eingeschränkt. Hier setzt nun die Eurythmie an, die auf neue Weise dem Menschen ein differenziertes Bewegen eröffnet. Äußere Geschicklichkeit und innere Beweglichkeit werden in vielfältiger Weise geübt. Dazu dienen die Elemente der Sprache und der Musik, den urmenschlichen Fähigkeiten, als Bewegungsimpulse. Die Gebärden und Bewegungen sind nicht ausgedacht, sondern Gesetzmäßigkeiten jener Elemente abgelauscht und am Menschen und seinen Bewegungsmöglichkeiten abgelesen.

Der Eurythmieunterricht vertieft nicht nur sprachliches und musikalisches Erleben, sondern wirkt durch das Erüben von Konzentration, Geschicklichkeit, Gedächtnis, Auffassungsvermögen und vor allem einem tätigen Sichhineinfinden in einen Gruppenzusammenhang befruchtend auf alle anderen Fächer. So werden z.B. geometrische Formen und Zusammenhänge im Raum aktiv gestaltet und erfahren.

Der Ansatz der Waldorfpädagogik, den ganzen Menschen nach Leib, Seele und Geist zu erziehen, findet sich in der Eurythmie in Reinkultur. In welches Berufsgebietder Schüler später auch immer geht, er wird dir Früchte jahrelangen Übens dieser Art ernten, mag er sich dessen vielleicht auch nicht immer bewußt sein.

Ralf Prahse, Eurythmielehrer

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