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Artikel aus dem Schwabacher Tagblatt vom 9. August 2007
Workshop für Begabte Waldorfschülerin Laura Kleiß bei Seminar des Ministeriums
WENDELSTEIN (gw) - Manchmal muss sich Laura Kleiß schon ein wenig wundern. Zum Beispiel über die Reaktionen, wenn sie erzählt, dass sie die Waldorfschule besucht. «Da werde ich zum Beispiel ernsthaft gefragt, ob wir einen Tag in der Woche im Wald verbringen», erzählt sie und hat dafür auch eine Erklärung. «Viele haben von Waldorfschulen einfach keine rechte Vorstellung.»
Dabei sind Schüler wie Laura Kleiß der Beweis dafür, dass Waldorfschulen mehr mit Leistung als mit Waldspaziergängen zu tun haben. Die 18-Jährige aus Reichelsdorf, die nach Wendelstein zur Schule geht, war eine von nur acht Schülerinnen und Schülern aus ganz Mittelfranken, die vom Kultusministerium für eine ungewöhnliche Veranstaltung eingeladen worden ist: Das «Ferienseminar für vielseitig begabte und interessierte Schüler».
Drei Voraussetzungen Deshalb mussten Sommer, Sonne, Strand und Meer noch ein wenig warten. Für Laura Kleiß begannen die Ferien mit einer Woche im Schülerheim des Gymnasiums Pegnitz. Die ausgewählten Schüler mussten drei Voraussetzungen mitbringen: gute Noten, eine musische oder künstlerische Begabung und soziales Engagement in der Schule.
Gute Noten hat Laura. Seit Jahren spielt sie begeistert Theater in den Schulspielen. «Zuletzt die Rolle der Anna im Stück ,Der Revisor‘ von Gogol», erzählt sie. Und in der Schülermitverantwortung (SMV) hat sie sich ebenfalls engagiert. Stoff für ein erfolgreiches Bewerbungsschreiben.
In Pegnitz erwartete die Schüler ein so abwechslungsreiches wie anspruchvolles Programm: Ein Workshop zum Thema Romatik und ein Besuch der Basilika in Waldsassen deckte den kunsthistorischen Bereich ab. Naturwissenschaftlich wurde es beim Besuch des Instituts für Geoökologie der Universität Bayreuth. «Dort gibt es einen Elitestudiengang mit optimalen Lernbedingungen, in dem die Auswirkungen der Klimaveränderung auf die heimische Vegetation untersucht wird», erklärt Laura Kleiß.
Studienberatung an Uni Nicht weniger spannend der Besuch bei Dr. Birgit Seelbinder, der Bürgermeisterin von Marktredwitz. Sie ist Vorsitzende von «Euregio Egrensis», einem Zusammenschluss von bayerischen und tschechischen Städten mit diem Ziel grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Ein Beispiel war die «Gartenschau ohne Grenzen», die von Deutschland bis nach Eger reichte. Abgerundet wurde die Woche mit einer Studienberatung an der Uni Bayreuth.
Bis zur Hochschule hat Laura Kleiß noch ein Jahr Zeit. Vor ihr liegen das 13. Schuljahr und das Abitur. «Von 35 Schülern in meiner Anfangsklasse machen 15 das Abitur», berichtet sie. Und dabei gelten für Waldorfschüler dieselben Anforderungen wie für Gymnasiasten. «Sonst würde das Abi bei uns ja nicht staatlich anerkannt.»
In gewisser Weise sei das Abitur an der Waldorfschule vielleicht sogar noch etwas schwieriger. Denn das Kollegstufensystem gibt es dort nicht. Während man am Gymnasium über zwei Jahre Punkte sammelt und die Abiturprüfung selbst nur ein Drittel der Gesamtnote ausmacht, sind an der Waldorfschule die Abschlusstests entscheidend. «Und da kann man auch mal einen schlechten Tag erwischen», sagt Laura.
Tauschen wollte sie dennoch nicht. «Die Schulzeit in der Waldorfschule bringt viele Erfahrungen durch eine Vielzahl von Praktika, darunter ein Betriebspraktikum und ein Sozialpraktikum. Da lernt man früh, was es heißt, acht Stunden am Tag zu arbeiten», berichtet sie. «Und auch die künstlerischen Erfahrungen, die man an der Waldorfschule machen kann, haben mich geprägt.»
Ein Resultat ist ihr Studienwunsch: «Mein Sozialpraktikum habe ich in der Blindenschule in Nürnberg absolviert. Die Arbeit hat mir sehr gut gefallen. Deshalb will ich auch für das Lehramt studieren. Entweder für Grundschulen oder für Sonderschulen für Sehbehinderte und Blinde.»
«Tolles Klima» Ob sich durch das Seminar am Studienwunsch etwas geändert hat? «Nein», sagt Laura Kleiß, «aber die Studienberatung hat viele Anregungen gebracht. Und das Programm war sehr spannend. Am besten aber hat mir gefallen, dass das Klima in der Gruppe toll war. Da hat man einfach gemerkt, dass da Leute waren, die ähnlich ticken und mit denen man sich sehr gut unterhalten konnte. Deshalb wollen wir auch weiter in Kontakt bleiben.»
9.8.2007 © SCHWABACHER TAGBLATT |
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